Herzenswunsch von einem Sternenkind

 

 

Eine Geschichte die Tristans Oma geschrieben hat sie ist wunderschön und ich denke für viele Menschen die auch einen solchen Schicksalsschlag erlitten und ein geliebtes Kind verloren haben, ein wenig hilfreich ist um den Schmerz etwas erträglicher zu machen... Danke das ich diese Geschichte hier veröffentlichen, und manchen Menschen ein wenig Hoffnung oder einen kleinen Lichtblick oder einfach nur  einen  etwas anderen Blickwinkel geben darf...

 

 

An diesem besonderen Sommertag saß ich mit geschlossenen Augen auf einem Stuhl im Garten und träumte vor mich hin. Die Luft war gefüllt mit Rosenduft, hin und wieder durchbrach ein Summen der Bienen die friedliche Stille. Plötzlich hauchte eine liebliche kindliche Stimme nahe an mein Ohr:

"Kannst du meiner Mama und meinem Papa sagen, das ich glücklich bin?" Verwirrt schlug ich die Augen auf und schaute suchend umher. Zauberhaftes Lachen untermalte die Worte:

"Du kannst mich nicht sehen, vielleicht manchmal im Traum, ich bin ganz nahe an deiner linken Seite!" Ein warmer Lufthauch streifte zärtlich mein Gesicht.

"Wer bist du, - wo kommst du her?"

Fragte ich das unsichtbare Wesen sonderbar berührt.

"Ich bin ein Sternenkind, - schaue mir die wunderschöne Welt an. Besonders wohlig und kuschelig sind meine Lieblingsplätze, da bin ich zu Hause."

Ich wusste nicht, was ein Sternenkind ist, hatte noch nie von einem gehört. Sicher konnte es meine Gedanken lesen, denn schon erzählte es leise, - rührend kindlich - und zugleich wie ein alter erschöpfter Mensch:

" Als ich noch zu sehen war, bin ich viel zu früh aus dem warmen Bauch meiner Mama geholt worden. Mir war furchtbar kalt, ich fühlte mich ganz schwach und war winzig klein. Um mich herum standen fremde Menschen und ich hörte laute, durchdringende Geräusche. Ich hatte so sehr Angst. Das grelle Licht tat meinen Augen weh. Ich weinte, wollte zurück, hinein in Mamas sicheren Bauch. Doch die Menschen quälten mich, zerstachen immer wieder mit Nadeln meine zarte Haut. Das hat sehr, sehr weh getan, - ich war hilflos, konnte mich nicht wehren. Vor Schmerzen und Schrecken habe ich so lange geweint, dann geschrieen, bis ich endlich entkräftet einschlief. Als ich wieder aufwachte, fühlte ich eine sanfte streichelnde Hand. Das war die Hand meiner traurigen Mama. Sie weinte und weinte und flehte:

"Kämpfe, kleiner Engel, bitte kämpfe, wir haben dich doch so lieb, verlass uns nicht, bitte, bitte!"

Immer und immer wieder flüsterte sie mir die Worte verzweifelt zu. Tag für Tag, Woche für Woche, beim Kuscheln und Füttern, wenn ich in dem entsetzlichen Kasten, danach im Bettchen oder in ihren warmen Armen lag. Kuscheln war so schön mit Mama und Papa, ich wollte ihnen doch nicht wehtun. Darum bin ich noch lange, - lange mit meinen Schmerzen geblieben, bis ich nicht mehr konnte und meine Kraft zu Ende war. Nur einmal in meinem kurzen Leben durfte ich etwas tun, was ich wollte, - ich bin aus meinem schmerzvollen Körper herausgeschlüpft und ließ ihn einfach liegen. Ich habe mich unsichtbar gemacht. Jetzt bin ich frei und sehr glücklich, niemand tut mir weh."

Tief erschüttert fühlte ich mit dem zerbrechlichen Kind, seine unbeschreibliche Not, die grausamen Schmerzen, seine immerwährende Angst und grenzenlose Hilflosigkeit und dann - die Erlösung.

Auch ich musste mich von einigen geliebten Menschen für immer trennen. In meinem Schmerz habe ich nur wenig überlegt, wie der Verstorbene vor seinem Tod dachte und fühlte, ob der geliebte Mensch sich nach dem entgültigen Frieden sehnte. Ich wollte nicht verlassen werden, sondern festhalten, - behalten. Dieses Kind veränderte plötzlich meine Sichtweise.

"Sagst du jetzt meiner Mama und meinem Papa, das ich glücklich bin?"

"Sehr gerne möchte ich deinen Wunsch erfüllen, liebes Sternenkind, doch ich kenne deine Eltern nicht, wie kann ich ihnen von dir berichten?"

Eine Weile war es sehr still. Ängstlich hoffte ich, dass mich das Sternenkind nicht enttäuscht verlassen hatte. Als ich endlich wieder die liebliche bittende Kinderstimme hörte, war ich erleichtert.

"Wenn du meine Geschichte aufschreibst, können alle Menschen sie lesen, auch meine Mama und mein Papa, dann wissen sie, wie glücklich ich bin." Etwas ging mir noch durch den Kopf, behutsam fragte ich mit sanfter Stimme:

"Hast du deine Eltern nicht mehr wiedergefunden, nachdem du dich unsichtbar gemacht hast?"

Ein kleiner Seufzer ertönte an meiner linken Seite.

"Ich musste sie nicht suchen, ich habe meine Eltern nie ganz verlassen. Doch ihr Schmerz ist so groß und betäubend, meine Stimme ist zu leise, - schreibst du jetzt alles auf?"

"Ja, liebes Kind, das verspreche ich dir. Vertraust du mir auch an, wo deine kuscheligen und wohligen Lieblingsplätze sind?"

Zum letzten Mal hörte ich das zauberhafte glückliche Lachen und die Stimme wurde leiser und leiser. "In den Herzen der Menschen, die mich lieb haben und an mich denken!"

 

Ganz lieben Dank an

Elisabeth Lindner...

 

 

 

 

 

©2008 by Elisabeth Lindner

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